Predigt vom 9. Febr. 2025
Predigtext
Mk 4, 35-41
35Und am Abend desselben Tages sprach er zu ihnen: Lasst uns ans andre Ufer fahren. 36Und sie ließen das Volk gehen und nahmen ihn mit, wie er im Boot war, und es waren noch andere Boote bei ihm. 37Und es erhob sich ein großer Windwirbel, und die Wellen schlugen in das Boot, sodass das Boot schon voll wurde. 38Und er war hinten im Boot und schlief auf einem Kissen. Und sie weckten ihn auf und sprachen zu ihm: Meister, fragst du nichts danach, dass wir umkommen? 39Und er stand auf und bedrohte den Wind und sprach zu dem Meer: Schweig! Verstumme! Und der Wind legte sich und es ward eine große Stille. 40Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so furchtsam? Habt ihr noch keinen Glauben? 41Und sie fürchteten sich sehr und sprachen untereinander: Wer ist der, dass ihm Wind und Meer gehorsam sind!
Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden mit Familien, liebe Familie Reiterer,
wir sind aus ganz unterschiedlichen Gründen hier miteinander im Gottesdienst.
Ich deshalb, weil das meine Arbeit und mein tiefstes Anliegen ist – einen Gottesdienst regelmäßig zu feiern. Weil in der sich wiederholender Hinwendung zu Gott, der Realität, die größer als meine eigene ist, finde ich persönlich, nicht nur Halt und Sinn, sondern auch Trost, Hoffnung und Lösung für das, was unlösbar scheint. Ich nehme an, dass einige von Ihnen teilen dieses Gefühl mit mir aber sicher auch die Zweifel, die Fragen und die Suche, die jeder Mensch kennt.
Wo ist Gott? Hört er mich? Wie ist er wirklich? Woran erkenne ich seine Gegenwart in meinem Leben?
Aber das sind nicht die ersten Fragen und Sorgen unseres Lebens. Oft fragen wir:
Hat wirklich alles eine Lösung, die ich selbst meistern kann? Wieviel Glück braucht man für ein gutes Gelingen? Wieviel Vertrauen braucht man um Neues zu wagen, immer weiter zu gehen, die eigenen Ziele zu erreichen und Interessen zu verfolgen?
Ist wirklich alles möglich? Was tun wir mit unseren Grenzen? Was tun wir, wenn wir an unseren Grenzen stoßen und mit unlösbaren Situationen konfrontiert sind.
Unser Bibeltext sagt: Hinwendung zu Gott ist die Lösung für unlösbare Themen in dieser Welt. Die Menschen im Bott wärend des Sturmes haben sicher alles ausprobiert, doch die Kräft des Windes und der Naturwalt um sie waren größer. Gefühlt war das das Ende. Doch was ist hinter dem Ende? Was ist hinter dem Gefühlten Ende versteckt?
Religion setzt sich fort an dem Punkt, wo alle andere Lösungsangebote sich enden. Religion und der Glaube hören dort nicht auf. Eigentlich unterscheide ich hier zwischen Religion und Glauben nicht wirklich, weil Glaube braucht auch Inhalte, Wissen, Verstehen, Reflexion. Religion, bzw., Religionen bieten das in unterschiedlichen kulturellen Zusammenhängen an. Sie helfen uns Gott, der Lösung für Unlösbares, hinzuwenden.
Dort, wo ein Mensch an seinen Grenzen kommt, begegnet er Gott.
Soweit gut. Klingt vielleicht für jeden plausibel.
Aber – wie kann es sein, dass so viele Menschen das Gefühl haben, dass sie keinem Gott begegnen oder diese Begegnungen nicht brauchen.
Gibt es keine Stürme? Ist alles nur gut? Gibt es für alles eine Lösung?
Zum Glück leben wir wirklich in einer Welt in der für Vieles eine Lösung gibt. Und doch nicht für alles. Wer die Wahrnehmung der eigenen Grenzen und den Grenzen dieser Welt kennt, stoßt sich auf Gott. Wer über den Tellerrand schauen traut, stoßt sich auf Gott. Wer mehr vom Leben erhofft, stoßt sich auf Gott. Wer Mut für das Neue hat, stoßt sich auf Gott. Wer Schwierigkeiten selbstbestimmt meistert, stoßt sich auf Gott. Wer nach Lösungen trotz Skepsis anderer sucht, stoßt sich auf Gott. Wer echtes Selbstvertrauen haben will, stoßt sich auf Gott. Wer Krisen und Stürme durchlebt, stoßt sich auf Gott.
Auf einen schlafenden Gott? Ja, auf einen Gott der Ruhe und der Gelassenheit. Auf einen Gott, der gleichzeitig wach wird und die Sorgen der Menschen versteht, sobald wir bereit sind mit ihm ins Gespräch zu gehen.
Inwiefern das für jeden wichtig ist, sollte jeder für sich entscheiden. Mit unserem heutigen Gottesdienst sind wir mit Gott im Gespräch. Und ich glaube, dass das jedem einzelnen verhilft Neues zu wagen, über den Tellerrand zu schauen, Krisen zu meistern, notwendigen Mut zu gewinnen und einfach vertrauensvoll und erfüllt durch das Leben gehen. Amen.